120dB

Wo setzt sich die Linie zwischen Ton und Geräusch? Welcher Anteil spielen beide Phänomenen in der Musik? Wie wird Lärm wahrgenommen? Bei 120dB liegt zwar die Schmerzgrenze des menschlichen Ohrs, aber in alltägliche Situationen wird der Mensch sich diesem Niveau ausgesetzt, manchmal sogar unbewusst. Lärmbelästigung wird jedoch nur gebraucht, wenn diese Exposition unerwünscht ist. SoundTrieb spielt diesmal im Raum zwischen erwünscht und unerwartet, mit einem Programm, der mit der ästhetischen Wahl des Geräuschs und des Lärms sich auseinandersetzt.


Das für SoundTrieb komponierte neue Stück all’arme erforscht das Thema Lärm in seiner Designfunktion in der Gesellschaft und bringt das Ergebnis in Form einer Installation und Performance auf die Bühne. Antoine Chessexs Furia stellt eine graue Atmosphäre mit einer homogenen Textur, bei der die Energie den Gesten in Vordergrund steht. Rojin Sharafi bearbeitet rhythmische Volkslieder aus Subsahara-Afrika in eine dichte elektronische Aufnahme für Ask my ash, in der die Instrumente seinen Klangraum finden sollen. Rein elektronisch arbeitet auch Kasper Toeplitz; der Klang wird jedoch in Vague de pas beim Ensemble als Begleitung fürs Tamtam Solo übersetzt. Als Kontrapunkt wird Martín Matalóns Loop & épilogue ausgewählt, bei der die kleinen Töne zwischen die Instrumente springen und ausgearbeitet werden, bis schliesslich eine Masse aus Klang erzeugt. Wie laut klingt eine Feder?

Unterhaltung, Schutz, aber auch Manipulation und Angst: Der Einsatz von Schall als Kontrollmittel ist seit dem 20. Jahrhundert ein wichtiger Forschungsschwerpunkt. Auch wenn der Begriff "Klangverschmutzung" erst zu Beginn der 2000er Jahre aufkam, um die Lärmbelästigung zu bekämpfen, wird der Klang seit den 1930er Jahren als Kontrollinstrument eingesetzt. Sowohl von Sounddesignern, die versuchen, unser Kaufverhalten unbewusst zu steuern, als auch vom Militär, das Sound als Waffe für psychologische und physische Folter einsetzt. Das Stück all'arme ist eine Kooperation zwischen dem Musiker Corentin Marillier und der Produktdesignerin Pia Matthes.

Konzept: SoundTrieb

Produktionsleitung: Isabel Piniella